STRESSTEST SCHULE: HENNING SUSSEBACH ZU GAST

20. November 2013   |   VON: Michael KaiserKategorie: Aktuelles

»Liebe Sophie, erinnerst Du Dich noch an den Tag, an dem wir das letzte Mal im Kino waren? An diesen Tierfilm, den Du so gerne sehen wolltest? Wie hieß der bloß noch? Ich glaube, Tiger, Bären und Vulkane, aber sicher bin ich mir nicht. Denn unser Ausflug liegt schon ein paar Monate zurück. Wir sind alle zusammen mit dem Auto in die Stadt gefahren: Mama, Henri, Du und ich. Es war Sonntag – und wir beide saßen mit Karteikarten auf der Rückbank und haben gelernt. Wie viel ist 172? Wie viel 56? Wie viel 28? Auf dem Weg nach Hause dann noch mal: 27 = 128, 182 = 324, 56 = 15625. Und noch mal. Und zur Sicherheit gleich noch mal.

Wir hätten so viel Sinnvolleres tun können auf unserem Heimweg! Den Bildern der Bären nachhängen und Bonbons lutschen zum Beispiel. In dem Zauber verweilen, den jeder kennt, der aus dem Kinodunkel ins Licht tritt – als laufe man erwachend durch einen Traum. Aber noch nicht mal an einem Sonntag ist es mir gelungen, Dich das Kind sein zu lassen, das Du sein solltest mit zehn Jahren.« (Quelle: www.zeit.de)

Nach der Premiere von »Falk macht kein Abi« im Werkraum und vor dem ersten »Elternabend« im Kleinen Haus ist im Rahmen unseres Schwerpunktes »Stresstest Schule« ZEIT-Redakteur Henning Sußebach im Theater Freiburg zu Gast und liest aus seinem Buch »Liebe Sophie! Brief an meine Tochter«.

Sußebach erzählt von der zunehmenden Unterwerfung der Kindheit – auch der seiner Tochter – unter Leistungsdenken, Zeitknappheit und Konkurrenzdruck, und versucht Sophie zu erklären, warum das so ist. Vor allem aber ermutigt er sie (und mit ihr alle Kinder und Eltern), die äußerlichen Erwartungen und Zumutungen nicht fraglos zu erfüllen und ihren eigenen Weg zu gehen.
Henning Sußebach bringt das Lebensgefühl der heutigen Kinder und Eltern auf den Punkt. Sein dem Buch zugrunde liegender Artikel ist auf ZEIT Online einer der meistgelesenen und am häufigsten kommentierten. Ein kluges und bewegendes Plädoyer, die Kindheit, überhaupt das Leben, nicht mit Ängstlichkeit, Vor-Sorge und Eile, sondern mit Zuversicht, Neugier und Gelassenheit zu gestalten.

Liebe Sophie!
Lesung mit Henning Sußebach
Schulzeitverkürzung und Leistungsdruck – der offene Brief eines Vaters, in dem er seiner Tochter erklärt, dass ihre Kindheit mehr als ein Trainingslager fürs Berufsleben sein sollte.
Sa. 23.11.13, 17 Uhr, Winterer-Foyer

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