JUNGES THEATER 2013/14 (2): WAS UNS ANTREIBT

11. Mai 2013   |   VON: Michael KaiserKategorie: 2013/2014

Am 16. Mai 2013 erscheint die neue Jahresvorschau »Junges Theater Freiburg Spielzeit 13/14«. Im Intro des Heftes unterhält sich das Künstlerische Leitungsteam – Michael Kaiser, Thalia Kellmeyer und Graham Smith – über die Anfänge des Jungen Theaters (Teil 1), über Hintergründe und Konzepte (Teil 2) sowie die Pläne im vor uns liegenden Theaterjahr (Teil 3).

Teil 2: Was uns antreibt

Thalia: Ich interessiere mich sehr für experimentelles Musiktheater. Musiktheater also, das heute entsteht, alte Strukturen und Hörgewohnheiten hinterfragt und innovativ mit Klängen und Geräuschen umgeht. Meine Erfahrung ist, dass gerade das experimentelle Musiktheater für junges, unvoreingenommenes Publikum, das noch keine festgefahrenen und geformten Hörgewohnheiten hat, besonders ansprechend ist.
Sehr bewegend sind für mich auch die Mitmach-Projekte, bei denen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene ohne szenische Vorbildung, dafür aber mit viel Neugierde und Begeisterung, in einen Prozess begeben. Wie unglaublich bereichernd die gemeinsame Suche und Entwicklung dieser Projekte ist, habe ich als Leiterin von Laienfestspielen in Hessen über mehrere Jahre erfahren.


(Trailer »Nächste Ausfahrt: Heimat«, Künstlerische Leitung: Thalia Kellmeyer, 2012)

Michael: Bei Projekten wie diesen merken wir immer wieder, dass Theater Effekte auf junge Menschen haben kann, die in andere alltägliche Praktiken wie persönliche Bildung, Arbeiten und Zusammenleben einfließen. Reinhard Kahl, Journalist, Filmemacher und Begründer des Netzwerkes »Archiv der Zukunft«, resümierte im Nachgang unseres Themenwochenendes »Schule träumen im Theater« im Jahr 2009: »Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen.«
Für uns als Theaterschaffende kann das Erleben dieser Entfachungs-Prozesse eine großartige Erfahrung sein. Denn hier hat Kunst manchmal erstaunliche Auswirkungen auf das echte Leben. Im Jungen Theater geht es uns also nicht darum, das »Publikum von morgen« zu sichern. Für uns stehen vielmehr das »Publikum von heute« und ein gemeinsamer Lernprozess im Vordergrund. Es geht darum, dass wir ebenso wie die jungen Akteure Neues erfahren.


(Trailer »Schwitzkasten« – inklusives Tanzprojekt, Werkraum 2011)


(Stadtraumintervention im Rahmen der Schultheatertage 2012)

Graham: Aus diesem Esprit habe ich vor zwei Jahren die School of Life and Dance (SoLD) mit Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren gegründet. Die Gruppe trifft sich zum Lernen zeitgenössischer Körper- und Tanztechniken, zum Improvisieren, Komponieren, zur Film- und Kameraarbeit, Textentwicklung und sogar zum »Urban Gardening«. SoLD hat eine nachhaltige Wirkung auf das Leben der beteiligten Jugendlichen und auf die Struktur der Tanzsparte im Theater.
In der Spielzeit 2013/14 wird es zwei neue Gruppen geben – SoLD Sprossen und SoLD Gold. Die Sprossen sind Kinder zwischen 9 und 14 Jahren, und SoLD Gold richtet sich an Menschen ab 50 Jahren. Zwischen den Gruppen soll ein permanenter Austausch stattfinden. Die Absicht ist, alle SoLD-Generationen im Laufe der Zeit zusammenzuführen. Der gemeinsame Nenner ist Tanz: die Freude an Bewegung und den Körper als Medium zu verstehen. Mich interessiert, wie sie ihre eigenen Lebenserfahrungen in eine körperliche oder choreografische Form bringen und diese künstlerischen Erfahrungen ihren Blick auf die Lebenswirklichkeit verwandeln.
Diese Austauschprozesse sind für mich am Theater Freiburg selbstverständlich geworden. Die ungewöhnliche Vernetzung des Theaters mit zahlreichen Institutionen in der Stadt hat den Begriff »spartenübergreifend« auf einer institutionalisierten Ebene erweitert. Wir wollen eine neue soziale Realität aufbauen. Die entstehenden Symbiosen schaffen neue Brücken zwischen Amateuren und Profis, Publikum und Darstellern, Kunst und Bildung.

Seit 2006 ist Michael Kaiser für die Kinder- und Jugendarbeit am Theater Freiburg zuständig. Die Aktivitäten in diesem Bereich fassen wir seit vier Jahren unter dem Begriff »Junges Theater« zusammen. Seit 2008 gibt es eine eigene Abteilung für den Bereich Junges Theater / Oper und Konzert. Sie wird seit 2012 von Thalia Kellmeyer geleitet, die ebenfalls seit 2006 am Haus tätig ist. Graham Smith prägt seit 2006 als Tänzer und Choreograf den Tanz am Theater Freiburg. Seit 2012 verantwortet er im Jungen Theater diesen Bereich.

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