DREI, ZWEI, EINS … GO!

7. Dezember 2019   |   VON: Michael KaiserKategorie: 2019/2020, Das Leben des Anderen

Fr, 06.12.2019, 20.45 Uhr: So sieht die Bühne nach der Vorstellung von unserem Queraussteiger-Stück DAS LEBEN DES ANDEREN, auch DLDA abgekürzt, aus. Am kommenden Donnerstag steht die letzte Aufführung an. Das nehmen wir heute zum Anlass, einen Einblick zu geben, was in den Stunden vor Beginn der Show so alles hinter den Kulissen passiert …

16.00 Uhr: In der Garderobe hängen bereits die Kostüme, die allesamt mit Namensschildern versehen wurden, damit sämtliche Mitwirkenden schnell die passenden Kleidungsstücke finden. Im Falle von DLDA ist diese Etikettierung besonders wichtig, da einige Kostümteile doppelt vorhanden sind – ein Kurzarmhawaiihemd für Michael Kaiser, ein Kurzarmhawaiihemd für Christian Heigel beispielsweise. Zu diesem Zeitpunkt sind es übrigens noch drei Stunden bis zum Beginn der Vorstellung im Werkraum. 

Die Garderoben am Theater sind grundsätzlich eher karg und funktional eingerichtet. Aber halt! In der Ecke steht ja ein prunkvolles XXL-Weihnachtspaket. Eine Überraschung zur Nikolausvorstellung vielleicht? Eher nicht: Hier hat die Ausstatterin des Weihnachtskonzertes vielmehr die Werkraum-Garderobe als Zwischenlager für das sperrige Objekt genutzt.

16.15 Uhr: Im Werkraum testen die Kollegen der Veranstaltungstechnik die Videozuspieler. Das Bühnenbild haben sie bereits in den Tagen zuvor aufgebaut. In diesem Fall steht am Tag der Vorstellung selbst nur noch das Feintuning auf dem Programm.
Die Positionen von Schrank, Europaletten, Kopierapparat etc. wurden in den Endproben übrigens mit kleinen lilafarbenen Klebestreifen am Bühnenboden markiert, damit sämtliche Elemente bei jeder Vorstellung an immer der gleichen Stelle stehen. 

16.20 Uhr: Veranstaltungstechniker Frederic „Freddy“ Menzel bringt noch eine fehlende Farbfolie an einem der diversen Scheinwerfer an. Das ist auch im Jahr 2019 noch immer Hand- und Leiterarbeit und lässt sich noch nicht mit dem Computer regeln. 

16.30 Uhr: Die Requisite hat unterdessen fast alle Gegenstände eingerichtet, die in der Vorstellung zum Einsatz kommen. Bei DLDA spielen sehr, sehr viele Requisiten mit, so dass die Einrichtung äußerst kleinteilig ausfällt. Lediglich für die Szene „Das Kramer-Experiment“ können die notwendigen Flüssigkeiten erst kurz vor Beginn der Show im Trichter angerührt werden, da sie schnell kristallin werden – und das Experiment dann nicht mehr funktionieren würde. 

Für die unzähligen Hinweis- und Warnschilder, die für dieses Stück auf der Bühne angebracht werden, gibt es einen mehrseitigen Reader, in dem die Positionen genau notiert wurden. 

16.45 Uhr: Es wird gecheckt, ob die Plüschrobbe „Silky the Seal“ für die Szene „5b außer Rand und Band“ auf ihrem Platz ist …

… die Position des eingerollten Samtvorhangs an der Bühnendecke des Werkraums wird überprüft …

… die kleine Handnebelmaschine, auch „Tiny“ genannt, wird getestet (Vorhang und Nebel kommen in der Sequenz „Der große Theatermonolog des Christian H.“ zum Einsatz) …

… und Assistentin Aleen bringt die Masken „Kaiser“ und „Heigel“ in den Werkraum. 

Später in der Vorstellung, etwa gegen 20.13 Uhr, wenn Timon und Noah diese Masken tragen, wird das in der „Briefzeremonie“ auf der Bühne so aussehen. 

Aber zurück zu den Vorbereitungen: Auch für die Kollegen der Technik existiert eine umfangreiche Checkliste, die vor jeder Vorstellung durchgearbeitet wird.

17.00 Uhr: Der Freiburger Lehrer Christian Heigel, der für DLDA den Job mit dem Künstlerischen Leiter des Jungen Theaters Freiburg, Michael Kaiser, getauscht hat, kommt zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung im Theater an. Der Schlüsselanhänger verrät schon einmal: Die Laune ist blendend!

Freddy bereitet derweil die Headsets für den Soundcheck vor, der pünktlich um 17.30 Uhr beginnen soll.

17.35 Uhr: Der Soundcheck hat noch nicht begonnenen, da erst zwei der fünf beteiligten Jugendlichen vor Ort sind. Teresa und Noah jedoch stehen bereits voller Tatendrang in den Startlöchern. Aktuell sind es noch rund eineinhalb Stunden bis zum Beginn der Show.

17.40 Uhr: Der Soundcheck kann mit MINIMALER Verzögerung beginnen. Im Anschluss wird angesagt, dass das gemeinsame Warm-Up des Ensembles um 18.15 Uhr im Kostüm auf der Probebühne 1 stattfinden wird.

18.13 Uhr: Eine WhatsApp-Nachricht von Assistentin Aleen an die Gruppe DLDA kündigt an, dass sich das Warm-Up leicht verzögert. (Grund hierfür ist, dass die beiden Herren Heigel und Kaiser noch nicht zu 100% umgezogen sind. Das jedoch wird hier nicht über die WhatsApp-Nachricht zunächst nicht kommuniziert.) Noch 47 Minuten bis zum Vorstellungsbeginn.

18.25 Uhr: Auf der Probebühne 1 finden sich die sieben Beteiligten ein, um mit Assistentin Aleen die Erwärmungsphase einzuläuten. Neben Atem-, Entspannungs- und Stimmübungen stehen natürlich auch Aktivierungsklassiker wie „Zisch, Boing, Peng“ und „Hi-Ha-Ho!“ auf dem Programm.

18.40 Uhr: Noch fünf Minuten bis zum Einlass – die Spannung steigt. Das Ensemble verlässt den Proberaum und bewegt sich geschlossen in Richtung Bühne.

18.45 Uhr: Die Türen zum Werkraum werden geöffnet (hier die Perspektive aus dem Off gegenüber) – der Einlass hat begonnen. Jetzt gibt es kein Zurück mehr – und sämtliche Kostümteile, Requisiten und technisches Equipment müssen am Start sein.

Über eine Kamera im Zuschauerraum kann die Technik in ihrer Basis, dem sog. FOH („Front of House“), das Geschehen auf der Bühne verfolgen …

… während das Ensemble hinter den Kulissen im Flüstermodus auf den Beginn der Vorstellung wartet.

19.00 Uhr: Noch stehen wir in der Einlass-Stimmung, doch in Kürze beginnt die Show. Der Fotograf, der selbst auf der Bühne mitwirkt, sollte jetzt einmal dringend die Kamera beiseite legen und sich für seinen Auftritt bereit machen.
Denn in wenigen Augenblicken wird die Durchsage kommen: „Der Einlass im Werkraum ist beendet. Es ist 19.02 Uhr. Wir beginnen mit der Nikolausvorstellung von DAS LEBEN DES ANDEREN im Werkraum. Allen Beteiligen ein herzliches Toi, Toi, Toi und eine schöne Vorstellung. Achtung für die Veranstaltungstechnik für den ersten Cue in drei, zwei, eins … GO!“

Fotos: Michael Kaiser