Beiträge unter 'SoLD'

MATES & MONSTERS

21. Dezember 2016 | VON: Svenja Haarmann-ThiemannKeine KommentareKategorie: SoLD

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Szenenbild aus »Salt Kids and Mannequins«

Die Gruppe »Setzlinge« aus der School of Life and Dance starten einen ungewöhnlichen Prozess: Im Rahmen des Depot Erbe (Kooperation mit dem Museum für Neue Kunst und dem Theater Freiburg) fing letzte Woche ein spannender Prozess an. Um diesen Prozess zu erklären, reisen wir zurück in das Jahr 2014, in welchem die österreichisch-französische Star-Choreografin und Figurentheatermacherin Gisèle Vienne, Regisseur und Bildhauer Etienne Biedau-Rey, Tänzerin und Choreografin Anne Mousselet und Graham Smith (Leiter der School of Life and Dance – kurz: SoLD) das Erfolgsstück »Showroom Dummies« mit einer besonderen Gruppe von Kindern der SoLD Sprossen neu inszeniert haben. Was sich in drei Workshop-Phasen entwickelte, wurde unter dem Titel »Salt Kids and Mannequins« gezeigt.

salt-kids-2014-8Szenenbild aus »Salt Kids and Mannequins«

Die Performance war aufgeladen von spannenden Bildern über Selbstdarstellung, über das eigene Körperbild und über latente Gendergewalt. In manchen Hinsichten waren die Thematik und ihre Bilder störender als mit erwachsenen Profi-Tänzern.

Ganz im Sinne der School of Life and Dance wird die Originalbesetzung nun, zwei Jahre später, dieses Erlebnis reflektieren. Sie werden das Stück anhand der choreografischen Angaben und ihrer Beschreibung / Überschreibung als »Mates & Monsters« re-inszenieren. more_link_text

OPEN HOUSE MIT SOLD

1. Dezember 2016 | VON: Graham SmithKeine KommentareKategorie: SoLD

Die Absicht der School of Life and Dance (SoLD) war immer, schnelle und flexible Formen von Aufführungen zu entwickeln. Doch meistens blieben die Türen verschlossen und die Ergebnisse verschwanden ungesehen im Nichts. Ganz im Sinne von SoLD öffnet Graham Smith ab Herbst 2016 regelmäßig die Proben-Türen und veranstaltet ab November jeden ersten Samstag im Monat Showings, die abwechselnd von drei SoLD-Gruppen (Sprossen, Originals und Gold) gestaltet werden. Unsere Leitthema dieses Jahr bei den jungen Erwachsenen ist »Erbe« … Schaut mal rein!

SoLDs‘ Open House
Offene Probe der School of Life and Dance-Gruppe Originals
Fr. 2. & Sa. 3.12.16, 21 Uhr, Kleines Haus, Pay After

DER SOG BEGINNT

12. April 2016 | VON: Sara NaegeleKeine KommentareKategorie: SoLD

Es geht wieder los: Graham Smith probt seit letzter Woche mit 30 Mitgliedern seiner Gruppen SoLD Originals (15-25 Jahre) und SoLD Gold (50+) für sein neues Tanzstück »Der Sog«.

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CHOREOGRAFIE DER UNRUHE

2. April 2016 | VON: Jannika ErdmannKeine KommentareKategorie: SoLD

Die School of Life and Dance (SoLD) in Zürich

Ich musste auflachen: Von außen könnte man wohl kaum einen Zusammenhang zwischen den 20 Menschen, die gut gelaunt in Zürich aus dem Bus stiegen, erkennen. Es war eine bunt gemischte Gruppe aus verschiedensten Altersstufen, die jetzt Schlafsäcke und Isomatten schulterte und den Weg zur nächtlichen Unterkunft, der Zwingli-Kapelle, antrat. Dort angekommen wurden wir von Martin Wigger in der geschichtsträchtigen Zwingli-Kapelle begrüßt, und freuten uns darüber, statt einem dämmrigen kühlen Raum eine gut renovierte und warme »Kulturhaus Helferei« vorzufinden. Die Atmosphäre des Hauses zog uns sogleich in ihren Bann.

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Der erste spätabendliche Tanz-Improvisationsworkshop fand dann in der Kapelle statt, wir begannen mit Übungen zur Sensibilisierung als Gruppe. Gleichzeitiges Gehen, Stehen, Bewegen. Bald kamen mehr Begriffe dazu: sitzen, liegen, rennen, schieben und ziehen. Geborgenheit oder Ausgeliefertsein, Distanz und Berührung … So entstand ein spannendes Spiel innerhalb der Gruppe, zwischen den Säulen, auf der Treppe, unter den Bänken, mit dem Boden.

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Gegen Mitternacht wurde die Improvisation beendet und in kleineren Gruppen verteilten wir uns über das Haus oder erkundeten die Stadt. Nach einer recht angenehmen Nacht fanden wir uns dann wieder zum Frühstück zusammen, wurden mit Kaffee und Croissants »verköstlicht« (Wortneuschöpfung Graham Smith) und zogen schließlich los, um den Weg von der Zwingli-Kapelle zum Theater Neumarkt zu erkunden, den die »Choreografie der Unruhe« später nehmen würde. Die Sonne versprach ihre Unterstützung bei der anstehenden Performance, die im Rahmen des Festivals »How artists approach war« (Theater Neumarkt) stattfinden würde. Dabei sollte unsere »Choreographie der Unruhe« nicht kriegerische Zustände darstellen, sondern mit Mitteln von Gruppenbewegungen Bilder und Dynamiken entstehen lassen, die sowohl den Teilnehmern als auch den Betrachtern verschiedene Möglichkeiten zur Interpretation bieten konnten.

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Nach einem weiteren Workshop in der Kapelle, der dem körperlichen Aufwärmen und der Schärfung des Bewusstseins für Gruppe und Raum diente, war es endlich so weit. Musikalisch begleitet von Peer Kaliss‘ Percussion nahm die »Choreografie der Unruhe« ihren Anfang in der Kapelle, um dann auf die Plätze auszuschwärmen, enge Gassen zu durchqueren und an / in Brunnen und Cafés Halt zu machen. Treppen hinunter steigen oder besetzen, wartend an Wänden lehnen, vor Wänden Halt machen, Ketten bauen, Ketten zerreißen. Mauern verschieben, an Menschen zerren, sie schieben, zu Boden bringen, die Hand reichen. Auf Brunnen thronen, durch den Staub rollen, auf und unter Bänken, im Schoß eines anderen oder auf einem Haufen aus anderen Menschen liegen. Weiter hasten, verfolgen, überholen, nicht vorankommen, langsam sein. Wir steckten alle mitten drin und waren uns gleichzeitig der beobachtenden Passanten bewusst, die Zuschauerreihen bildeten, Kameras zückten oder sich selbst mit ins Treiben stürzten – es war ein »Kraftstrom von kollektiver Energie« (Krishna Kloers, Teilnehmerin).

Völlig ausgepowert erreichten wir das Theater Neumarkt, wurden dort von Peter Kastenmüller mit freundlichen Worten und Getränken empfangen, bis wir uns schließlich wieder auf den Rückweg zur Zwingli-Kapelle machten, wo trockene Kleider und noch ein wenig Zeit in der Sonne bis zur Abfahrt des Busses auf uns warteten. Müde aber erfüllt rollten wir schließlich nach gut 24 Stunden wieder in Freiburg ein.

SPROSSEN, MANNEQUINS UND SALZKINDER

28. Juni 2015 | VON: Myriam SchmidtKeine KommentareKategorie: SoLD

Zehn Kinder der School of Life and Dance Sprossen von Graham Smith haben den Frühling über mit den Künstlern Gisèle Vienne, Etienn Bideau-Rey und Anne Mousselet an der Darstellbarkeit von Körperlichkeit und Identität gearbeitet. Die Choreografin und Regisseurin Gisèle Vienne und der Bildende Künstler Étienne Bideau-Rey sind auch Puppenspieler. In ihrer Zusammenarbeit lassen sie lebensgroße Puppen auf lebendige Körpertreffen. Es entstehen Stücke an der Schnittstelle zwischen Tanz, Theater und visueller Kunst, in denen sich Lebendigkeit und Künstlichkeit, Subjekt und Objekt, Fiktion und Realismus stets ablösen. Für die Workshop-Reihe »Mannequins and Salt Kids« haben das französische Künstlertrio und Graham Smith die zehn teilnehmenden Sprossen zu ihrer Auffassung von Körperlichkeit und Schönheit befragt und ihnen Puppen und Masken zur Seite gestellt.

Am 2. und 3. Juli präsentieren die Sprossen die Ergebnisse ihrer Recherche und teilen sich die Bühne mit Puppen, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.

SOLD WAGT DEN NÄCHSTEN SCHRITT

27. Mai 2015 | VON: Myriam SchmidtKeine KommentareKategorie: SoLD

Mitglieder von SoLD Gold im Tanzsaal (Foto: SoLD)

Nach »Der Nussknacker« im vergangenen Dezember, bei dem zum ersten Mal alle drei SoLD-Gruppen auf der Bühne standen, geht es nun für die Originals und die Golds diese Spielzeit in die zweite Runde.

»SoLD Mentored Studies« heißt das neue Projekt, an dem die beiden SoLD-Gruppen seit Beginn des Jahres arbeiten.

Ein Projekt, bei dem Mitglieder der SoLD-Gruppen an Themen forschen, die sie interessieren um diese dann, mit der Hilfe des Leiters der Gruppen, Graham Smith, tänzerisch / performativ um zu setzten.

Auf einem großen Plakat wurden diese Themen im Ballettsaal fest gehalten und gesammelt. Innerhalb von wenigen Tagen, war das Plakat und der Platzt darum herum, voll mit Worten, Ideen, Konzepten, Ansätzen und Bildern. Es waren Begriffe wie: Glück, Zufriedenheit, Loslassen – Sterben, Freiheit und Grenzen, Neid, Authentizität, Beziehung zwischen dem eigenen Körper und einem fremden Körper …

Nach dem sich anschließend Gruppen von Menschen zusammen gefunden hatten, die entweder an de selben Thema interessiert waren, oder miteinander arbeiten wollten, wurden die jeweilig ausgewählten Themen in Angriff genommen. So ist zum Beispiel eine U17-Gruppe die unter anderem an dem Thema wechselnde Freundschaft arbeitet, oder eine Loop-Gruppe, ein Quintett welches mit Klängen arbeitet, oder verschiedene Soli oder Duette, zum Beispiel auch eines mit einer Bratsche.

Die Projektphase der Mentored Studies ist mittlerweile an dem Punkt, an dem die einzelnen Bruchstücke langsam Stück für Stück zu einem großen Ganzen zusammen gesetzt werden.

Das Ergebnis der Studien wird am 3. und 4. Juni 2015 jeweils um 20 Uhr in der Kammerbühne zu sehen sein!

GEISTER SCHÜTTELN – OPEN PRACTICE

30. Oktober 2014 | VON: TheaterlaborantenKeine KommentareKategorie: SoLD

3mal SoLD: Originals, Gold, Jerusalem

Ich radele nach unserer intensiven Performance »Geister schütteln« nachhause. In mir ist noch soviel Bewegung, Tanz und Begegnung. Ich fühle den Rhythmus der Welt.
Ich stehe an der Ampel und warte auf grün. Rechts von mir zwei junge Frauen mit Hund, gegenüber ein junger Mann, die Straßenbahn, die aus der Gegenrichtung auf uns zukommt. Ich warte auf einen Einsatz, suche nach Impulsen in Kontakt zu kommen und für kurze Zeit einen gemeinsamen Rhythmus zu finden um dann wieder die eigenen Wege weiter zu gehen. Mein Fahrradlicht tanzt mit den Sternen, alles ist eins und ich bin völlig geflasht.

Ich sehe, dass die SoLD-Originals viel in Körperkontakt sind, so frei und ungezwungen, es ist natürlich in Nähe zu sein und sich wieder loszulassen. Und ich merke, dass auch bei uns Goldies eine vertrautere Körperlichkeit beginnt. Ich spüre, wie uns der Tanz miteinander verwebt und Kontakt auf einer tieferen Ebene schafft. Und Graham sagt es im Publikumsgespräch: Wir tanzen, um zusammen zu sein.

Performance »Geister schütteln«

Mein Körper vibriert noch, während ich dies schreibe. Die Welt so viel facettenreicher wahrzunehmen, entsteht durch die Präsenz, die der Performance geschuldet ist. Der Kontakt fordert, so viel wie möglich (für) wahr zu nehmen im Außen und im Innen – denn nur dann kann er sich aufbauen und gestalten. Ohne Gegenwärtigkeit kein Kontakt. Wo zieht es mich hin, wo möchte ich mich verbinden, was habe ich zu sagen? Folgt mir jemand, der meine Sprache spricht oder versucht mich zu verstehen? Oder bin ich nicht deutlich genug und niemand folgt meiner Einladung. Damit zu sein, ist lernen über mich. Oder wem möchte ich gerne folgen? Welche Bewegung ruft mich? Wie entsteht echter Kontakt und Tiefe in der Begegnung und an welchem Punkt bricht beides wieder auseinander? Wie schön, dass ich mit Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen habe, im Tanz erleben und gestalten kann. Wenn ich mich traue mich zu geben, mit dem was gerade ist, dann ist so viel möglich. Grenzen von Sprache und Ländern und Geschichte lösen sich auf und entstehen neu und lösen sich auf und sind irgendwann keine Grenzen mehr, sondern Verbindung.

Performance »Geister schütteln«

Ich bin gespannt, ob ich diese intensive Aufmerksamkeit bewahren kann in meinem Alltag. Ich möchte den inneren Raum, den mir der Tanz eröffnet, hüten wie ein Schatzkästlein. Das ist Life and Dance, die Tanzerfahrungen fließen in mein Leben und mein Leben fließt in den Tanz.

Ich bin gerade vollkommen zufrieden.

(Katja Stepputat / SoLD)

DANCING IN THE … RATHAUS

16. Oktober 2014 | VON: RedaktionKeine KommentareKategorie: SoLD

SoLD Jerusalem + SoLD Freiburg @ Rathaus

Wenn man den Popgrößen der letzten dreißig bis fünfzig Jahre Glauben schenken darf, dann gibt es zig Orte und Situationen, an und in denen man tanzen kann: Sei es auf der Straße, wie uns die Musik- und Stilikonen David Bowie und Mick Jagger in ihrem Cover der Motown-Band Martha and the Vandellas von »Dancing in the Street« nahelegen. Oder im Mondlicht, das nicht nur King Harvest in den 1970er Jahren, sondern auch Toploader 1999 zu ihren größten Erfolgen verhalf.

Dass man aber auch im Rathaus tanzen kann, ist neu – und wurde erst jüngst von den SoLD-Gruppen aus Freiburg und Jerusalem bei einem Empfang des Bürgermeisters Ulrich von Kirchbach unter Beweis gestellt!

Was das nun mit einem deutsch-israelischen Austausch zu tun hat? – Das könnt ihr Freitag und Samstag (17. und 18. Oktober) bei »Geister schütteln« erfahren. Jeweils um 20 Uhr treffen wir uns vor dem Bühneneingang (Bertoldstr. 46, an der Seite des Theaters zwischen Reisebüro und Suppebar), um die Open Practice der SoLD Jerusalem, Original und Gold mitzuerleben.

Bis dahin sei nur so viel verraten: »It doesn’t matter what you wear, just as long as you are there. So come on, […] everywhere, around the world, they’ll be dancing […]. It’s an invitation across the nation, a chance for folks to meet. They’ll be […] [as well] dancing in the street.« (Zitat aus: »Dancing in the Street«)

SOLD JERUSALEM IN FREIBURG

9. Oktober 2014 | VON: TheaterlaborantenKeine KommentareKategorie: SoLD

Videostill: SoLD @ Jerusaelm (2013)

Es war letzten Sommer, als wir uns mit SoLD (School of Life and Dance) auf die Reise nach Jerusalem begaben, wo wir eine israelische Tanzgruppe trafen. Ein Jahr später dürfen wir nun im Austausch die israelischen Tänzer und Tänzerinnen bei uns in Freiburg begrüßen!

Am Montagabend erreichten unsere Gäste das Theater, wo sie von den jeweiligen Gastgebern – inzwischen sowohl Mitgliedern der SoLD-Originals, als auch der SoLD-Gold-Gruppe – in Empfang genommen wurden. So durfte schon mancher einen schönen Abend des ersten Kennenlernens verbringen, denn es gibt zwischen einigen bekannten Gesichtern in beiden Gruppen auch viele neue Mitglieder. Heute Morgen trafen wir dann zum ersten gemeinsamen Tanzen beim von Maria Pires geleiteten »Profitraining« im Ballettsaal zusammen. Nun sind wir gespannt, wie es weitergeht, denn für die nächsten zwei Wochen haben wir einiges vor:

SoLD Jerusalem wird dem Stück »Not really. Young artists from Jerusalem« den letzten Schliff verleihen, sodass wir uns alle auf das kommende Aufführungswochenende in der Kammerbühne freuen dürfen. SoLD Freiburg probt derweil weiter am »Nussknacker«, (Premiere am 13.12.14 im Großen Haus), wobei zeitweise die israelischen Tänzer zu den Proben dazu stoßen werden. Neben den jeweiligen Proben wollen wir gemeinsam Zeit verbringen, Unternehmungen starten, im Theatergarten schaffen, natürlich Tanzen und letztendlich das gemeinsam Erarbeitete in »Geister schütteln« präsentieren.

Wir freuen uns auf zwei Wochen eines vielschichtigen Austauschs!

(Jannika Erdmann / SoLD-Originals)

Beet & Box
Bambis Beet schwärmt aus
Sa. 11. & So. 12.10.14, ab 11 Uhr, Theatervorplatz

Not really. Young artists from Jerusalem
School of Life and Dance Jerusalem stellt sich vor
Sa. 11. & So. 12.10.14, 20 Uhr, Kammerbühne

Geister schütteln
SoLD Freiburg trifft SoLD Jerusalem
Fr. 17. & Sa. 18.10.14, 20 Uhr, Tanzstudio, Eintritt frei

ZEITRAFFER-PARZIVAL TAGEBUCH #5

24. Juni 2013 | VON: Michael KaiserKeine KommentareKategorie: Aktuelles, SoLD, Zeitraffer-Parzival

Premiere am Samstag, 15. Juni 2013, Großes Haus – Hinterbühne

»Toi toi toi!«, von allen Seiten. »Und sucht und findet eure Geschichten, Bilder und Beweggründe wieder neu, lasst euch nicht dazu verleiten, etwas wiederholend zu produzieren, nur weil es ein andermal gut funktioniert hat!«

Ab geht’s in die Kostüme, in die Maske… und plötzlich ist es schon viertel nach sieben, Einlass, wie stehen hinter der Gaze und »proben« die »Bande von Idioten« – das Stück geht los! Genau wie die letzten Tage auch immer – aber auf einmal kommt es wirklich darauf an:

Das ist unsere Premiere!

Die Aufregung kommt nach und nach bei allen, die körperliche Erschöpfung der Endprobentage ist in Sekundenschnelle vergessen, Adrenalin übertrumpft jeden Schmerz.

Die Soli im Grün, wer bin ich, Idioten toben sich aus, die verständliche Welt kippt, Kämpfe folgen, der Boden wird zu Schlamm, Anfortas taucht auf, Scheitern, Leichen, Fisch, der Berg aus Fetzen der alten Welt, Zeitraffer, Flocking … Eine Szene zieht die nächste unweigerlich herbei. Und unglaublich schnell ist »Zeitraffer-Parzival« schon am Ende angekommen, der Gralsog setzt ein, bis wir schließlich in einer Menge Nebel versinken.

Applaus wird laut, beim Verbeugen können wir keinen einzigen Zuschauer ausmachen und danken vorerst einer Wand aus Weiß, bis der Nebel sich schließlich lichtet und wir Blumen verteilen und Graham eine ordentliche Sektdusche verpassen können.

Damit wird die Bühne erneut zu einer äußerst rutschigen Angelegenheit, was nun auch die Zuschauer beim nach vorne Kommen erfahren dürfen. Unter den Tänzern werden Jubelschreie laut und alles fällt sich in die Arme. Wuhuuu! Wir haben es geschafft!

Inzwischen haben sich die SoLD’ner wohl daran gewöhnt, dass das Ganze für jeden etwas völlig anderes bedeuten kann, ich denke, gemeinsam ist uns die Begeisterung und die Dankbarkeit, ein Teil zu sein. Doch heute haben wir die Türen geöffnet, uns und unser Stück gezeigt und einem ganzen Saal von Zuschauern angeboten – freigegeben für alle Arten von Gedanken und Gefühlen, die dazu kommen können.

(Jannika Erdmann)

Zeitraffer-Parzival
Projekt von Graham Smith und der School of Life and Dance
Choreografie: Graham Smith / Dramaturgie: Inga Schonlau / Musik: Julian Schwizler & Hans- Christian Ziupa / Bühne & Kostüm: Anke Niehammer / Mit: Kate Harman, Maria Pires & School of Life and Dance
Mit Unterstützung der Stiftung Theater Freiburg, der Jugendstiftung der Sparkasse & der Badischen Zeitung
Letzte Vorstellungen: Sa. 29.6., 18 Uhr & Fr. 12.7.13, 19.30 Uhr, Großes Haus – Hinterbühne

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