Beiträge unter '2014/15'

FINALE, JUNGES THEATER!

3. Juli 2015 | VON: Michael KaiserKeine KommentareKategorie: 2014/15, Aktuelles

Workshop »Mannequins and Salt Kids« (Foto: SoLD)

Die Spielzeit läutet die letzte Runde ein, der Sommer biegt um die Ecke – und im Jungen Theater geht im Juli nochmals richtig rund: Heute entern beispielsweise die »Sprossen« noch einmal das Kleine Haus. Zehn Kinder der gleichnamigen Junior-Gruppe der School of Life and Dance von Graham Smith haben mit den Künstlern Gisèle Vienne, Etienne Bideau-Rey und Anne Mousselet an der Darstellbarkeit von Körperlichkeit und Identität gearbeitet. Für die Workshop-Reihe »Mannequins and Salt Kids« wurden sie zu ihrer Auffassung von Körperlichkeit und Schönheit befragt und ihnen Puppen und Masken zur Seite gestellt. Sie präsentieren die Ergebnisse ihrer Recherche und teilen sich die Bühne mit Puppen, die ihnen zum verwechseln ähnlich sind.

Showdown der Theaterklubs 2014/15 (Foto: O. Rath)
Ab morgen (Sa.) zeigen dann unsere vier Theaterklubs die Ergebnisse ihrer halbjährigen Theaterreise. Bei den Klubs am Theater Freiburg steht das gemeinsame Ausprobieren im Vordergrund, hier geht es nicht um Schauspielunterricht oder das Aufführen einen fertigen Stücks. Welche Performances entstanden sind, ist am 4. und 5. sowie am 11. und 12. Juli im Werkraum zu sehen. Den Anfang machen die Klubs 3 (»… jedenfalls nicht von Gott!«) und 4 (»Finale, Mädchen«), gefolgt von den Junior-Klubs 1 (»Wir können nicht schlafen!«) und 2 (»Nur noch schnell die Welt retten«) jeweils als Doppel-Feature. Den Flyer mit allen Infos und Daten zu den Klubs 2014/15 kann man hier herunterladen.

Und dann sind da noch die Schultheatertage 2015 und das Kindermusikfest »Klong«, das die Spielzeit 2014/15 am 26. Juli endgültig, laut tönend und feierlich beschließen wird.

Übrigens kann man sich jetzt bereits für die neuen Mitmach-Projekte des nächsten Theaterjahrs vormerken lassen! Weitere Infos dazu findet ihr unter: www.junges.theater.freiburg.de

DIE GEISTER DES THEATERS

2. April 2015 | VON: Ghost WriterKeine KommentareKategorie: 2014/15, Aktuelles

»Who you gonna call …?« (Foto: O. Rath)

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die existieren, obwohl wir sie nicht sehen. Und dann gibt es solche, die wir vielleicht sehen, aber nicht erklären können. Das Junge Theater untersucht dieses spannungsreiche Gebiet zwischen Forschung und Möglichkeitswelten. In verschiedenen Produktionen beschäftigen wir uns im April, Mai und Juni mit Rätseln aller Art, erkunden Außer- und Übersinnliches und erweitern die Faktenlage mit Fantastischem.

Zum Auftakt dieses Themenschwerpunktes stand im März ein Nachmittag in der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg auf dem Programm.

Die Parapsychologische Beratungsstelle in der Wiehre (Foto: M. Kaiser)

Im Treppenhaus der Beratungsstelle (Foto: M. Kaiser)

Zu Tee und Gebäck empfing uns Dr. Walter von Lucadou mit seinem dreiköpfigen Team, um alle Fragen des Performance-Duos Petra & Achim (Gesa Bering, Benedikt Grubel), des Schauspielers Christoph Kopp und Michael Kaiser (»Geisterjagd durchs Theater«) sowie Linus (12 Jahre) aus dem Erweiterten Ensemble des Theaters zu beantworten.

Im Gepäck: Gebäck und viele Fragen (Foto: M. Kaiser)

Dr. von Lucadou forscht seit Jahrzehnten zu Übersinnlichem und hilft jährlich rund 3.000 Menschen, die in der Beratungsstelle anrufen, wenn z.B. Dinge oder Personen auf Fotos zu sehen sind, die zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht präsent waren. Oder wenn aus einem handelsüblichen Haushaltsgerät Stimmen zu vernehmen sind. Das kommt nämlich häufiger vor, als man denkt. Viele dieser Phänomene sind bekannt, so dass vermeintlich »Gespenstisches« häufig mit Hilfe der klassischen Physik erklärt und entkräftet werden kann.

Lucadou berichtete uns außerdem von sog. »Fokuspersonen« – Menschen, die Phänomene anziehen bzw. auslösen, die allgemein als »Spuk« bezeichnet werden. Ein spannendes und kontrovers diskutiertes Gebiet, über das man auf der Website der Beratungsstelle mehr erfahren kann.

»Modell« eines Spukhauses in der Beratungsstelle (Foto: M. Kaiser)

Zurück zur Bühne: Da wären zunächst Petra & Achim, unser unermüdliches Forscher-, Erfinder- und Entdecker-Duo, das stets auf der Suche nach dem ist, was sich hinter dem Sichtbaren des Alltags befindet. In ihrer dreiteiligen Reihe »Schau ins Unsichtbare« gehen die beiden seit Februar über das Gewöhnliche hinaus und fördern dabei Staunenswertes zu Tage: In Episode 1 richteten sie ihre Antennen gen Weltraum und in Folge 2 ergründeten sie die schillernd-spekulative Welt des Geldes.
Im April begeben sich Petra & Achim in der finalen Ausgabe ihrer »Schau« (18., 19. und 20.4.15, ab 8 Jahren) auf die Suche nach Gespenstischem. Sie fragen sich, ob es Spukfälle wirklich geben kann oder ob sie nur Phantastereien sind, die man sich für den wohligen Grusel am Lagerfeuer erzählt. Und mal gesetzt den Fall, es gäbe sie wirklich: Müssen sie dann immer nur schrecklich poltern und unheimlich gruseln? Könnte es nicht auch freundliche Geister geben – und könnten diese vielleicht sogar im Theater hausen?

Petra & Achim (G. Bering, B. Grubel) spüren einen eiskalten Lufthauch (Foto: R. Muranyi)

Die Frage, ob es auf, hinter oder unter der Bühne spukt, beschäftigt uns auch in der »Geisterjagd durchs Theater«. Die Theaterleitung hat den international bekannten Geisterjäger Theo v. Thom engagiert, um dem Geheimnis unterschiedlicher Meldungen aus verschiedenen Abteilungen des Theaters auf die Spur zu kommen: Wer – oder anders gefragt: was – verrückt permanent die Sessel im Möbelfundus? Wie erklärt man die mysteriöse Melodie, die Musiker des Philharmonischen Orchesters immer wieder im Umfeld ihrer Stimmzimmer vernehmen, auch wenn diese verlassen scheinen? Ist es wirklich nur »Zufall« (O-Ton eines Ermittlungsbeamten), dass Requisiten gehäuft verschwinden und an den aberwitzigsten Orten wieder auftauchen? Wie gut, dass Geisterexperte van Thom ab 3. Mai einmal im Monat die Theaterführungen für Familien mit Kindern ab 7 Jahren begleitet und so Spukphänomenen und Gespenstertreiben Einhalt gebietet!

Apropos: Mit der »Spukversicherung« können sich auch Freiburger Schulen erstmals gegen Geistererscheinungen in Treppenhäusern, Overheadprojektoren oder Schultoiletten absichern. Wird eine Erscheinung gemeldet, kommt das Team der »Spukversicherung« in die Schule und untersucht gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern die schulischen Atmosphären. Etwaige Schulgeister werden gefunden, identifiziert und zur näheren Untersuchung ins Theater überführt. Das Konzept basiert auf der gleichnamigen Performance des »Fundus Theaters« Hamburg, das hierfür u.a. mit dem Bundespreis Kulturelle Bildung ausgezeichnet wurde. Am 18. Juni (19 Uhr, Werkraum) informiert das Team im »1. Freiburger Schul-Spukbericht« öffentlich über die gefundenen Geister, zeigt Ausschnitte aus den Schul-Performances und berichtet über die Möglichkeiten der Geistersuche, das Zusammenleben in Schulen zu thematisieren und gemeinsam zu verändern.

Geisterfahrer (Foto: O. Rath)

LEERSTELLEN SCHLIESSEN

20. Dezember 2014 | VON: Michael KaiserKeine KommentareKategorie: 2014/15, Käpt'n Analog

»Käpt'n Analog und die Digital Natives« – ab 18.1.15 im Werkraum des Theater Freiburg (Foto: M. Kaiser)»Leerstellen schließen« – oder: Was unter Deck im Maschinenraum von Käpt’n Analog passiert.

Im Jungen Theater machen wir Theater für Kinder und Jugendliche. Vor allen Dingen machen wir aber Theater mit Kindern und Jugendlichen – und das tun wir aus gutem Grund: Die Gesellschaft, in der diese jungen Menschen aufwachsen, entwickelt sich rasant, wird zunehmend komplexer und kulturell vielfältiger. Wir fragen uns, welche Rolle die altehrwürdige Institution Stadttheater im Leben dieser Generation spielen kann, die ganz anders aufwächst als wir, die das Theater leiten. Junge Akteure zu unseren partizipativen Projekten einzuladen, ist für uns extrem wichtig, da wir im Prozess etwas über ihre Welt erfahren und dabei von ihnen lernen können.

Wenn ein Theater eine Sache richtig gut kann, ist es das Senden. Schließlich war das lange unser Kerngeschäft: Wir zeigen mithilfe unserer Ensemble Stücke auf einer Bühne. In den Laien-Projekten versuchen wir nun, dieses System aufzubrechen, die Erarbeitung in einem dialogischen Prozess stattfinden zu lassen und damit unser Repertoire um den Modus des Empfangens zu erweitern.

Deshalb beginnen wir die Probenarbeit bei Produktionen des Theaterlabors in der Regel nicht mit fertigen Stücktexten. Bei einer Vielzahl dieser Projekte starten wir mit der Gruppe quasi bei Null: Wir wissen, an welchem Thema oder welchen Fragen wir uns abarbeiten wollen, stellen jedoch das gemeinsame Forschen und Ausprobieren in den Mittelpunkt. Oft folgt eine Reise ins Ungewisse, in deren Verlauf wir Texte lesen, diskutieren, improvisieren, Ausflüge machen, Filme sehen, Experten befragen, Pizza essen, weiter improvisieren, erste Ideen verwerfen, neue kreieren – und die einzelnen Bausteine in der Schlusskurve zu einem Stück verdichten.

Derzeit arbeiten wir an »Käpt’n Analog und die Digital Natives«, einem Mehrgenerationen-Laienprojekt, das am 18. Januar Premiere im Werkraum hat. Begonnen haben wir mit einem Aufruf: Theater Freiburg sucht Jugendliche, Erwachsene und Senioren, die Lust haben, gemeinsam mit uns zu erforschen, auf welche Weise uns die zunehmende Digitalisierung verändert.
Nachdem das Ensemble – 12 Spielerinnen und Spieler zwischen 11 und 70 Jahren – feststand, haben mein Mitstreiter Benedikt Grubel und ich alle Teilnehmenden zu ausführlichen Interviews getroffen und dabei einige großartige Geschichten zu hören bekommen.
Zuvor hatten wir für die Welt des »Käpt’n« ein grobes Szenario und ein Handlungsraster mit bewusst gesetzten Leerstellen entworfen. Gemeinsam mit unserer Ausstatterin Nina Hofmann haben wir parallel erste Ideen gesammelt, wie sich diese fiktive Welt auf der Bühne materialisieren lassen könnte.

»Käpt'n Analog« – alles konsequent nicht-digital (Analogfotografie: M. Kaiser)

Während ich diesen Text tippe, liegen auf dem Boden um mich herum verteilt über 100 transkribierte Seiten, die wir aus 24 Stunden Interview-Aufnahmen destilliert haben. Denn bei diesem Projekt verfolgen wir eine Variation der zuvor beschriebenen Arbeitsweise: Die Geschichte des Käpt’n wird von mir als Ghostwriter mit den Ideen und Meinungen der Beteiligten überschrieben und die Leerstellen im Text mit ihren biographischen Beiträgen geschlossen. Und das ist eine richtig spannende Arbeit, da wir die Spielerinnen und Spieler in den Gesprächen bereits intensiv kennengelernt haben und ihnen jetzt Rollen wie Szenen quasi auf den Leib schreiben können.

Weitere Infos zum Projekt: www.theater.freiburg.de/analog

(Michael Kaiser / Crew »Käpt’n Analog«)

DIE ZEIT IST REIF

21. September 2014 | VON: RedaktionKeine KommentareKategorie: 2014/15, Aktuelles

Die Zeit ist reif – Probenbild der Eröffnungsproduktion »Frühlings Erwachen« (Foto: M. Korbel)

Michael Kaiser, Künstlerischer Leiter des Jungen Theaters, über die Eröffnung der neuen Theatersaison – und darüber, wie so ein Spielplan eigentlich zustande kommt:

Nun starten wir also in die Spielzeit 2014/15. Es ist die neunte, die wir am Theater Freiburg beginnen, doch nach fast einer Dekade ist dieser Moment für mein Team und mich jedes Mal wieder aufs Neue spannend: Wenn der Sommer zu Ende geht und all die Ideen und Konzepte, die man zuvor in so einen Spielplan gepackt hat, anfangen, Wirklichkeit zu werden. Nach Monaten intensiven Probens entern die Jugendlichen aus »Frühlings Erwachen« jetzt also tatsächlich die Bühne und holen Wedekinds Drama in Form eines Musicals in die Gegenwart, während der Werkraum für den »Zauderer von Oz« nicht nur im Bühnenbildmodell in eine begehbare Comicwelt verwandelt wird.

Die Ideen zu Projekten wie diesen entstehen manchmal zwei oder drei Jahre im Voraus. Es gibt auch Stoffe oder Themen, die noch länger bzw. immer wieder im Gespräch sind und erst viel später realisiert werden. Weil man auf das richtige Leitungsteam wartet oder das betreffende Stück mit einem Mal ein fehlendes Puzzle-Teil in einem Gesamtspielplan darstellt.

So erging es uns mit »Rico, Oskar und die Tieferschatten« von Andreas Steinhöfel und dem Roadmovie-Roman »Tschick« von Wolfgang Herrndorf. Über beide Bücher haben wir jedes Jahr aufs Neue in unseren Spielplan-Klausuren gesprochen und nun war es mit einem Mal klar: Zwei klug komponierte Geschichten über Außenseiter, eine für Kinder, eine für Jugendliche und Erwachsene. Zwei Milieu-Studien, die beide ungewöhnliche Freundschaften beschreiben. Herbst 2014, Frühjahr 2015, Werkraum, Kleines Haus. Innerhalb weniger Tage hatten wir die Zusagen unserer beiden Wunsch-Regisseure und konnten direkt Proben- und Premierentermine eintüten.

Im Januar 2015 an den Reglern – Käpt'n Analog!

Auch das Projekt »Käpt’n Analog und die Digital Natives« (Januar 2015) kann auf einen längeren Reifungsprozess zurückblicken: 2011 hatte eine Gruppe Jugendlicher soziale Netzwerke infiltriert, ihre Funktionsweisen untersucht und das Ergebnis dieser Recherche in Form der Produktion »Myspace Invaders« auf die Bühne gebracht. Im Anschluss hatten wir das Gefühl, dass wir im nächsten Schritt uns selbst zum Untersuchungsgegenstand machen und überprüfen müssten, was der Paradigmenwechsel vom Analogen zum Digitalen mit uns macht. 3 Jahre, 64 GB MP3-Files, 1.900 Bilder vom letzten Urlaub in der Cloud und 4 externe Festplatten später schien uns die Zeit für dieses Vorhaben nun gekommen.

Das Team des Jungen Theaters: (v.l.) Benedikt Grubel, Thalia Kellmeyer, Michael Kaiser (o.), Graham Smith (u.), Gunda Möller

Oft ist es also so, dass die Entwicklung zu einer Position im Spielplan keinen geraden Weg nimmt und man erst verschiedene Stationen passiert haben muss, um zur stimmigen Projektidee zu gelangen. Im Falle der Oper »Die gute Stadt« (Juni 2015) lassen sich diese Stationen gut nachzeichnen: In der Spielzeit 2011/12 zeigten wir das Stück »8 Väter«, mit dem die Berliner Autorin Tina Müller eine Familienkonstellations-Übung für drei Schauspieler geschrieben hatte. Rund um die Premiere sprachen wir mit ihr über einen Stückauftrag – eine Recherche-Arbeit zur Situation von Freiburger Schülern, die den Titel »Falk macht kein Abi« erhielt und letztes Jahr uraufgeführt wurde. Und nun verfasst Müller das Libretto zu einer Oper, die das Thema »Stadt« in den Mittelpunkt rückt. Die Musik wird von der jungen Komponistin Sinem Altan stammen, mit der Müller bereits 2009 an der Neuköllner Oper Berlin eine Jugendoper realisiert hat.

Und während man in unserer digitalen Saisonvorschau unter www.junges.theater.freiburg.de erkunden kann, was wir im kommenden Theaterjahr planen, diskutieren wir bereits über die Spielzeit 2015/16 …