BELLA DECKT AUF: DER NEUE WERKRAUM

17. Dezember 2009   |   VON: Michael KaiserKategorie: 2009/2010

Stück für Stück verändert sich der Werkraum: Die Wände werden geweißelt, das Dr.-Sommer-Foyer kleidet sich neuerdings in rosa… Was ist da los?

Isabella »Bella« Kammerer (»Ich, Cyborg!?«, »Flokati« und Mitglied im Jugendclub) hat sich während des Umbaus umgesehen und Michael »Emmkah« Kaiser (Theaterpädagoge und Künstlerischer Leiter Werkraum) zur neuen Grundeinrichtung des Werkraums, dem Dreh- und Angelpunkt des Jungen Theater Freiburg, befragt.

Isabella und Michael im Gespräch auf der Galerie

Isabella und Michael im Gespräch auf der Galerie

Bella: Einiges ist bereits zu sehen, anderes erst zu erahnen: Wie soll der neue Werkraum aussehen?

Emmkah: Die Grundidee ist, den Raum heller, offener und variabler zu gestalten: Die Wände und das Regal wurden weiß gestrichen und der schwarze Bühnenboden mit holzfarbenen MDF-Platten ausgelegt. In Planung sind zudem ein weißer Samtvorhang und ein neues Podestsystem, mit dem man spannende neue Bühnensituationen schaffen kann. 
Jede Gruppe, die hier im Werkraum arbeitet, kann so den Raum neu erfinden und sich ihr Bühnenbild aus den vorhandenen Podesten und Elementen individuell zusammenstellen.
Die Idee von Bühnenbildnerin Clarissa Herbst, die den Raum im Jahr 2006 erstmals eingreichtet hat, lebt somit fort: Der Werkraum basiert auf der Idee eines variablen Grundraums, der viele Möglichkeiten zur Eroberung und Neu-Definition bietet. So kann man die Zuschauersituation, wenn man möchte, beispielsweise einfach umdrehen oder zu einem Kreis anordnen.

Der neue Werkraum im Modell

Der neue Werkraum in der Planung

Neue Bänke, neue Spielelemente, neuer Boden

Im Modell: neue Räume, neue Bänke, neue Spielelemente, neuer Boden

Der neue Boden wird inspiziert

In echt: Der neue Boden wird intensiv inspiziert.

Bella: Warum habt ihr euch für einen Umbau entschlossen?

Emmkah: Nach drei Jahren und 30 bis 40 Projekten war es wieder einmal Zeit für neue Impulse. Wir wollen im Werkraum generell kein großes Theater im Kleinen machen. Ein traditioneller Theaterraum mit schwarzem Boden, schwarzem Molton und fixem Zuschauerraum würde für uns das Gegenteil von dem behaupten, was wir in unseren Kinder- und Jugendprojekten erzählen wollen.  Dem wollen wir mit dem Umbau nochmals verstärkt entgegenwirken: Wir verstehen den Raum nicht als traditionelle Spielstätte, sondern als Theaterlabor, in dem Neues, Experimente und Ungewöhnliches erlaubt sind.
 Wichtig ist uns, die Welt da draußen hineinzulassen. Der Werkraum soll kein abgeschotteter Ort sein, in dem Theatermuff konserviert wird.

Bella: Woher stammen die Ideen und das Konzept für den Umbau?

Emmkah: Die Raumkonzeption stammt von Moritz Jüdes und Franziska Jacobsen, die hier am Haus als Ausstattungsassistenten arbeiten. Die beiden haben den neuen Raum entworfen und werden den Prozess auch künftig begleiten. 
Bei den Baden-Württembergischen Theatertagen  im Juni 2009 hatten Moritz und Franzi den Werkraum in ein wunderbares Festivalzentrum verwandelt. Wir waren damals alle begeistert von den Ideen der beiden, so dass wir sie unbedingt für die Neugestaltung gewinnen wollten.

Moritz Jüdes und Franziska Jacobsen bei der Bauprobe im Oktober

Moritz Jüdes und Franziska Jacobsen bei der Bauprobe Anfang November 2009

Bauprobe: Das neue Podestsystem wird simuliert

Bauprobe: Das neue Podestsystem wird simuliert.

Bauprobe: Auch die fahrbare Treppe wird markiert

Bauprobe: Auch eine geplante fahrbare Treppe wird markiert.

Bella: Ein weißer, heller Raum… Fehlen da nicht die Farbtupfer?

Emmkah: Oh, die wird es geben! Da ist zum Beispiel das neue Dr.-Sommer-Foyer, das keine Farbtupfer-Fragen offen lässt. Auch die vier Räume auf der Galerie werden nach und nach ein individuelles Erscheinungsbild bekommen: Jägerzimmer, Loungebereich… Moritz und Franzi haben da noch einige Ideen und Farbeimer in petto.

Ausstattungs-Hospitantin Franziska Zaar arbeitet am Dr.-Sommer-Foyer

Ausstattungs-Hospitantin Franziska Zaar arbeitet am Dr.-Sommer-Foyer.

Bella: Ihr habt ja sicherlich nicht einfach drauflosgepinselt und gebaut… Wie wurde die Umgestaltung umgesetzt?

Emmkah: Es gab zunächst eine Bauprobe, bei der alle beteiligten Abteilungen zusammenkamen. Moritz und Franzi haben das künstlerische Grundkonzept anhand eines Bühnenbildmodells vorgestellt, und die einzelnen Abteilungen haben Anregungen zur konkreten Umsetzung gegeben. So war beispielsweise zunächst geplant, den gesamten Boden heller als jetzt zu streichen. Die Beleuchtungsabteilung hat jedoch darauf hingewiesen, dass es dann schwierig wäre, den komplett weißen Raum auszuleuchten, da das Licht sehr stark streuen würde. Man würde ungefähr die doppelte Menge an Scheinwerfern benötigen, was das Budget für die Werkraumumgestaltung gesprengt hätte. So sind wir auf die MDF-Platten gekommen, die nun den neuen Werkraumboden bilden.
Nach zwei weiteren Planungswochen ging es dann los: Der Malsaal hat die Wände gestrichen, die Schreinerei neue Bänke gebaut, die Bodenplatten wurden verlegt…

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Investigativ-Journalismus: Neue Räume werden entdeckt!

Bella: Wie lange wird der Umbau dauern?

Emmkah: Solange es den Werkraum in dieser Form gibt! Jede Gruppe, die hier ein Projekt erarbeitet, wird den Raum neu definieren und für sich »umbauen«. Wir werden den Raum kontinuierlich hinterfragen und neue Situationen ausprobieren.
Von unserer Seite kommen demnächst noch das neue Podestsystem, eine fahrbare Treppe und der neue Vorhang hinzu. Außerdem werden wir die Küchenzeile aus Theatercafé-Zeiten umbauen. Darauf freue ich mich persönlich besonders! Was da passieren wird, sei aber an dieser Stelle aus Gründen der Spannungserhaltung noch nicht verraten.