8 VÄTER BACKSTAGE! – ENSEMBLE

5. Mai 2012   |   VON: Michael KaiserKategorie: 2011/2012

Kurs »Literatur und Theater«, Gymnasium Kenzingen: Fabienne Kaufmann, Natalia Barciok, Nadine Badura, Oberstudienrätin Helma Herkenrath, Katrin Henninger, Isabel Schüber, Svenja Haag, Sina Haag (Foto: privat)

Teil 1: Interview mit der Schauspielerin Marie Bonnet
von Katrin Henninger, Kurs »Literatur und Theater«, Gymnasium Kenzingen

Der diesjährige Oberstufenkurs »Literatur und Theater« des Gymnasiums Kenzingen unter der Leitung von Helma Herkenrath hat in der Spielzeit 2011/12 die Patenschaft für das Stück »8 Väter« von Tina Müller übernommen. Michael Kaiser, Leiter des »Jungen Theaters« am Theater Freiburg, ermöglichte dem Kurs interessante Einblicke in die Abläufe des Theaters und hinter die Kulissen. Nach der Premiere von »8 Väter« haben sich die Schülerinnen mit den Beteiligten der Produktion in Verbindung gesetzt und Interviews geführt.

Marie Bonnet (Foto: M. Korbel)

In dem folgenden Interview geht es um Marie Bonnet. Sie spricht mit mir darüber, wie sie zur Schauspielerei gelangte, wie man sie lebt und über die aktuell laufende Produktion »8 Väter«.

Bereits mit 14 Jahren als Waldorfschülerin wurde ihr Interesse für darstellende Kunst geweckt, indem sie bei Konzerten und Aufführungen an der Schule mitwirken durfte. Nach einiger Zeit gefiel es ihr im Jugendclub des Theater Oberhausen, wo sie auch Einblicke in den professionellen Betrieb bekam, so sehr, dass für sie klar war: Das will ich machen! Daher absolvierte sie ein vierjähriges Studium an der Schauspielschule Bochum. Gemeinsam mit ihrer Abschlussklasse organisierte sie Gruppenvorsprechen und erkundigte sich an den großen Theatern in Deutschland um freie Vakanzen.

In Freiburg hatte sie das Glück alleine vorzusprechen. Wie der Zufall es so wollte, waren auch die Gespräche und die Begegnungen mit der Theaterleitung ein glückliches Aufeinandertreffen, was sie dazu veranlasste, die Stelle als Schauspielerin anzunehmen. Im Theater Freiburg gefällt ihr die Vielseitigkeit – man kann als Schauspieler immer wieder unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten und Spielweisen anbieten und ausloten, wie zum Beispiel in »8 Väter« im intimen Werkraum oder im Großen Haus bei einer Oper. Doch der Spaß darf niemals zu kurz kommen, genauso wenig die Begeisterung für das Theater, denn das ist die größte Voraussetzung für einen erfolgreichen Schauspieler!

Gleichzeitig heißt das aber nicht, dass man sich alles trauen muss, denn im besten Falle steckt, laut Marie, die ganze Persönlichkeit in einer Rolle oder man entdeckt mit der Identifizierung einer Rolle in sich eine neue, bisher unbekannte Facette. Wenn sich eine Szene »nicht richtig anfühlt« und einem schlicht und einfach der Mut an der Umsetzung fehlt, soll man nicht aufgeben. Schließlich gehört der Mut zum Scheitern bei der Schauspielerei ja dazu.
Genauso ist Flexibilität ein wichtiges Kriterium – gerade bei den Probeterminen und Aufführungen. Hier gilt das Sprichwort: Das Theater richtet sich nicht nach dir, sondern du richtest dich nach dem Theater. Trotzdem darf die Freizeit nicht zu kurz kommen. Marie macht in ihrer theaterfreien Zeit genau dieselben Dinge, die jeder von uns und die Personen im Stück täglich unternehmen: Man kauft ein, erledigt Haushaltssachen, lernt den Theatertext und klärt relevante Fragen.

Probenfoto »8 Väter« (Foto: M. Korbel)

Das Stück »8 Väter« geht der Frage nach, welcher Mann oder ehemaliger Geliebter von Mutter Rosa (und es gibt viele zur Auswahl) Nicos Vater ist. Während des Stücks bekommen wir einen Einblick in Nicos Leben. So hat sie zunächst nichts für Männer übrig, was sich auch in ihrer Verhaltensweise zeigt. Sie macht den ganz normalen Wahnsinn eines Teenagers durch – nur mit dem Unterschied, dass sie ihren Vater nicht kennt. Ein Auslandsjahr, verschiedene Männer von Mutter Rosa, eine nervende kleine Schwester, die Krankheit von Rosa und verschiedene Freundeskreise komplettieren Nicos Leben – alles andere als normal. Tina Müller, die Autorin, lässt das Stück abrupt mit einer Szene enden, die zum Weiterdenken einlädt.

Neben Marie Bonnet stehen lediglich zwei weitere Schauspieler auf der Bühne, die während des Stücks verschiedene Rollen annehmen und sie auch untereinander tauschen. Doch darin liegt keinesfalls die Schwierigkeit des Stücks, weil alle mit den raschen Rollenwechseln gut zurechtkamen und das Produktionsteam – vom Regisseur bis zur Dramaturgin – miteinander harmonierte. Die technischen Abfolgen, wie Requisiten, Kamera und Licht, so einzusetzen, dass keine Behinderung entsteht, ist eine viel größere Herausforderung, so Marie.

Erlebt Marie Bonnet in der Produktion »8 Väter« einmal live! Ich versichere euch, dass ihr den Besuch nicht bereuen werdet! Das Stück läuft derzeit im Werkraum, Theater Freiburg.

»8 Väter«
Sprengstoff für Bilderbuchfamilien
Stück für Erwachsene & Jugendliche von Tina Müller
Letzte Vorstellungen: Di. 15.5., 18 Uhr & So. 20.5.12, 19 Uhr, Werkraum
Weitere Infos und Tickets gibt es hier im Online-Spielplan.

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